Herr Pfleger

Aber warum, Herr Pfleger?

∞ Krankenkassen bescheinigen Pflegebranche Fortschritte

Die Zeit:

Bei anderen Pflegeproblemen offenbarten sich jedoch noch Schwächen, etwa beim Vermeiden von Druckgeschwüren. Bei etwa 40 Prozent der Patienten mit Dekubitus-Risiko fehlte die erforderliche Prophylaxe wie etwa Lagerungswechsel oder geeignete Hilfsmittel vollständig oder teilweise. Im Vergleich zum Bericht von 2007 habe sich da nichts verbessert, heißt es.

Was brauchte man nochmal, um Lagerungsintervalle einzuhalten? Ach stimmt, einen menschenwürdigen Personalschlüssel mit qualifiziertem Pflegepersonal! Falls es jemand vergessen sollte.

∞ „Nicht jeder kann pflegen“

Pflegewissenschaftler Michael Isfort:

Die Mitarbeiter müssen sich zudem an Qualitätssicherungen beteiligen, sie müssen umfassende Hilfepläne und Konzepte erstellen können. Im Krankenhaus habe ich aktuell untersucht, dass Pflegekräfte auf Intensivstationen in hohem Maß die Therapien steuern und wichtige Entscheidungen treffen – zum Beispiel, wie ein Beatmungsgerät eingestellt wird. Das erfordert umfassendes Wissen. Die Chance, eine immer anspruchsvoller werdende Ausbildung zu bestehen, ist höher, wenn jemand schulisch gut darauf vorbereitet ist. Das spricht eindeutig dafür, eine zwölfjährige Schulbildung zur Voraussetzung zu machen. Auf diese Weise wird Pflege als Beruf auch attraktiver. Und attraktiver muss sie werden, wenn wir es schaffen wollen, dass es künftig ausreichend Pflegekräfte in Deutschland gibt.

Moment, gab es da nicht auch eine Alternative, falls es dann doch nicht mehr genug qualifizierte Pflegekräfte in Deutschland gibt – stimmt, die Hartz-4-Empfänger.

Dass die Politik begonnen hat, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, ist mir bis jetzt noch nicht aufgefallen, obwohl sie schon vor einem Jahr große Töne gespuckt haben.

∞ Burnout von Pflegekräften ein internationales Problem

Geld ist allerdings nicht der einzige Faktor, der die Zufriedenheit beeinflusst, sonst hätten die Pflegekräfte in Irland und Finnland den Kliniken nicht so gute Noten geben dürfen, schreiben die Autoren. In Norwegen allerdings waren die guten Ergebnisse aufgrund der dortigen guten finanziellen Ausstattung erwartet worden. In Norwegen kommen 5,4 Patienten auf eine Pflegekraft, Deutschland war hier mit einem Personalschlüssel von 13,0 das Schlusslicht.

Ein Personalschlüssel von 13,0 – ich finde das echt heftig und nicht verwunderlich, dass die Pflegekräfte nicht zufrieden sind.

∞ Pflegeausbildung vor dem Umbruch

Die Pflegeausbildung in Deutschland steht vor einem Umbruch. Statt Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegern soll es künftig einheitlich Pflegefachkräfte geben.
Neu eingeführt werden soll die akademische Ausbildung zur “Generalistischen Pflegefachkraft”.

Da bin ich ja mal gespannt, was aus diesem Vorhaben wird. Statt dem Krankenpflegegesetz sollen wir das Pflegeberufegesetz bekommen.

Positiv finde ich ja, dass an den Zugangsvorraussetzungen und der Dauer der Ausbildung nicht gerüttelt werden soll.

∞ Euphemismus statt Berufsalltag

Roland Brühe:

Oder die (oft beiläufigen) Gespräche über die persönliche Zukunft, wenn es wieder nach Hause geht und das Zurechtkommen in der Wohnung völlig zweifelhaft erscheint. Die im Krankenhaus diagnostizierte chronische Erkrankung, die einen Wandel des gewohnten Lebens erfordert. Das Gespräch mit den Eltern, die mit der zwar wiederbelebten aber unwiderruflich geistig beeinträchtigten Tochter leben müssen und wollen. Dies ist nicht in werbewirksamen Bildern auf Postkarten zu drucken. Derartige Situationen stellen aber die Realität dar. Und da denke ich immer wieder, inwieweit man Interessenten am Pflegeberuf nicht etwas vormacht, wenn man mit derartigen Bildern auf hübschen Postkarten für einen Beruf wirbt, der sich als wesentlich tiefgründiger, herausfordernder und mitnehmender als in der Werbewelt darstellt.

Ich glaube Pflege ist einfach nicht werbetauglich – wie soll man es auch schaffen, diesen multidimensionalen Beruf auf ein paar wenige Schlagwörter zu sterilisieren?

Und Werbung kann auch nur funktionieren, wenn das beworbene “Produkt” auch attraktiv ist.

Dank politischer Desinteresse und prekären Arbeitsbedingungen sehe ich deutlichen Nachholbedarf bei der Attraktivitätssteigerung der Pflege. Wenn dort angesetzt wird, sehe ich vielleicht die Chance, dass auch Werbekampagnen für den Beruf als Pflegekraft erfolgreich sein können.

∞ Leben im Altersheim: Frau Zimmermann zieht um

Die meisten älteren Menschen haben etwas gegen Altersheime, das sagen sie zumindest in Umfragen, und es gibt dabei einen Vorwurf, der immer auftaucht: In den Heimen gebe es ja nur alte Menschen. Das sagen auch diejenigen, die sonst gar keine Menschen mehr um sich herum haben. Frau Zimmermann hat nichts gegen ältere Menschen, sieht man mal von der Sache mit dem Humor ab. Der fehlt ihr so ein bisschen im Altersheim, denn sie mag Ironie, und sie mag es, mit Sprache zu spielen. Aber was ist schon ein Witz, wenn man ihn erklären muss, und das passiert hier eben oft, da lässt sie es lieber.

Wer möchte schon gerne ins Altenheim? Für viele Menschen ist bereits der Gedanke einmal in ein Heim zu ziehen, unvorstellbar.

Der Artikel von der Welt beschreibt anschaulich den Weg, wie Frau Zimmermann sich nach 57 Jahren von ihrer eigenen Wohnung trennt und im Altenheim ankommt.

via Martin Röder

∞ DBfK – Intensivfachkraft in 3 Jahren – Lückenbüsser und Sackgasse

Die Träger stehlen sich aus der Verantwortung für den selbst verursachten Pflegepersonalmangel. Statt in die Arbeitsbedingungen zu investieren, erfindet man neue Qualifikationen, die den fachlichen Anforderungen nicht gerecht werden und zudem eine Sackgasse darstellen. Der ständige Abbau von Pflegestellen, die sinkende Bereitschaft der Kliniken Mitarbeiter weiterzubilden und die sich ständig verschlechterndenArbeitsbedingungen der Pflegefachberufe haben diese Problematik noch verschärft.

Auch der DBfK hat sich zum Modellvorhaben Intensivfachpfleger geäußert.

∞ Intensivpflegefachkraft | Klinikverbund-Südwest

Mit der Modellausbildung zur Intensivfachpflegekraft betritt der Klinikverbund Südwest Neuland in der deutschen Pflegebildungslandschaft. Die Ausbildung hat deshalb noch keine staatliche Anerkennung. Im Rahmen dieser grundständigen 3jährigen Pflegeausbildung erwirbt der Schüler jedoch nach ca. 1 Jahr Ausbildung den staatlichen Abschluss zum Gesundheits- und Krankenpflegehelfer.

Ich kann über dieses Modellvorhaben nur den Kopf schütteln.

Im Rahmen der heutigen Hochleistungsmedizin, die auf unseren Intensivstationen praktiziert wird, ist der Kontakt mit der betreuenden Pflegekraft unglaublich wichtig für den Patienten. Zeit für die Vermittlung und Entwicklung von empathischen Fähigkeiten sehe ich in dem Konzept der Intensivpflegekraft nicht.

Im Laufe der regulären Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger/in werden die Praxiseinsätze auf den Intensivstationen häufig ins 3. Lehrjahr oder ans Ende des 2. Lehrjahres gelegt. Der Gedanke da hinter ist, dass die Auszubildenden vorbereitet werden bzw. dann bereits “reif” genug sind für den Einsatz und die damit verbundenen Erfahrungen auf einer Intensivstation.  Ich finde diesen Ansatz und die Überlegung dahinter sehr menschlich.

Das Modellvorhaben zeigt mal wieder, dass immer weniger Rücksicht auf die Menschlichkeit gelegt wird und nur noch das “Funktionieren” zählt.

Über die Qualität der Ausbildung müssen wir glaub ich gar nicht erst reden…