Herr Pfleger

Aber warum, Herr Pfleger?

∞ Hunderttausende Heimbewohner falsch gepflegt

Der Tagesspiegel:

Hochgerechnet drohen demnach jedem zweiten der rund 700 000 Heimbewohner Druckgeschwüre durch falsche Lagerung, bei mehr als 40 Prozent der Gefährdeten fehlt es an entsprechender Vorsorge. Und 20 Prozent der Pflegebedürftigen, also etwa 140 000 Menschen, werden hinter Bettgittern verwahrt oder im Rollstuhl festgegurtet – jeder zehnte davon ohne die vorgeschriebene richterliche Genehmigung.

Auf Ursachen dieser Umstände geht sowohl der Prüfgericht als auch der Artikel nicht ein.

∞ „Nicht jeder kann pflegen“

Pflegewissenschaftler Michael Isfort:

Die Mitarbeiter müssen sich zudem an Qualitätssicherungen beteiligen, sie müssen umfassende Hilfepläne und Konzepte erstellen können. Im Krankenhaus habe ich aktuell untersucht, dass Pflegekräfte auf Intensivstationen in hohem Maß die Therapien steuern und wichtige Entscheidungen treffen – zum Beispiel, wie ein Beatmungsgerät eingestellt wird. Das erfordert umfassendes Wissen. Die Chance, eine immer anspruchsvoller werdende Ausbildung zu bestehen, ist höher, wenn jemand schulisch gut darauf vorbereitet ist. Das spricht eindeutig dafür, eine zwölfjährige Schulbildung zur Voraussetzung zu machen. Auf diese Weise wird Pflege als Beruf auch attraktiver. Und attraktiver muss sie werden, wenn wir es schaffen wollen, dass es künftig ausreichend Pflegekräfte in Deutschland gibt.

Moment, gab es da nicht auch eine Alternative, falls es dann doch nicht mehr genug qualifizierte Pflegekräfte in Deutschland gibt – stimmt, die Hartz-4-Empfänger.

Dass die Politik begonnen hat, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten, ist mir bis jetzt noch nicht aufgefallen, obwohl sie schon vor einem Jahr große Töne gespuckt haben.

∞ Burnout von Pflegekräften ein internationales Problem

Geld ist allerdings nicht der einzige Faktor, der die Zufriedenheit beeinflusst, sonst hätten die Pflegekräfte in Irland und Finnland den Kliniken nicht so gute Noten geben dürfen, schreiben die Autoren. In Norwegen allerdings waren die guten Ergebnisse aufgrund der dortigen guten finanziellen Ausstattung erwartet worden. In Norwegen kommen 5,4 Patienten auf eine Pflegekraft, Deutschland war hier mit einem Personalschlüssel von 13,0 das Schlusslicht.

Ein Personalschlüssel von 13,0 – ich finde das echt heftig und nicht verwunderlich, dass die Pflegekräfte nicht zufrieden sind.

8. Juni 2011
von Matthias
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Ungerechte Löhne sind schlecht für das Herz. Das ist das Ergebnis der kürzlich veröffentlichten Studie einer Forschergruppe um den Bonner Ökonomen Armin Falk und den Düsseldorfer Soziologen Johannes Siegrist.

„Menschen, die ihre Bezahlung als unfair empfinden […]leiden eher unter Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Depressionen“, sagte Falk. Er hatte mit Hilfe eines Experiments untersucht, wie sich das Gefühl von Ungerechtigkeit auf die Gesundheit auswirkt. Außerdem haben die Wissenschaftler Daten des sogenannten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet.

via Deutsches Ärzteblatt: Nachrichten “Ungerechte Löhne machen krank”.

Da sollte man sich nicht über den hohen Krankenstand des Pflegepersonals auf deutschen Krankenhausstationen und in deutschen Altenheimen wundern.