Pflege

Hauptschüler in die Pflege?

Angeregt durch den Beitrag bei KrankeSchwester möchte ich auch mal kurz was zur Thematik los werden.

Worum geht es überhaupt?

Aus der Pressemitteilung des DBfK:

Mit großem Befremden hat der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) die Initiative von SPD und CDU/CSU zur Kenntnis genommen, durch einen Änderungsantrag die Eingangsvoraussetzung zur Krankenpflegeausbildung auf Hauptschulniveau abzusenken. „Deutschland hat schon heute im EU-Vergleich die niedrigsten Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Damit ist die deutsche Ausbildung systemisch und strukturell auf dem Niveau von 1997 stehen geblieben“, sagt Gertrud Stöcker, stv. Vorsitzende des DBfK und Vorsitzende des Deutschen Bildungsrates für Pflegeberufe. „Die kranken, behinderten, alten und pflegebedürftigen Menschen in Deutschland haben eine hochkompetente Versorgung verdient.“

Also prinzipiell finde ich es nicht schlimm, wenn Hauptschüler die Möglichkeit bekommen würden, sich bei den zahlreichen Krankenpflegeschulen zu bewerben, jedoch würde dies meiner Meinung nach überhaupt nichts bringen, da genug Abiturienten und Realschüler sich für diese Ausbildung bewerben und mit großer Wahrscheinlichkeit den Hauptschülern vorgezogen werden. Somit wäre diese Änderung nur heiße Luft um so zu tun, als ob man irgendwas ändern würde. Was sich steigern wird, ist die Anzahl der Bewerbungsschreiben, die die Schulen abarbeiten müssten und der Grad der Frustration bei den Hauptschülern, weil sie wieder eine Absage erhalten werden…

Warum die Zulassung der Hauptschüler eine Beleidigung an alle Pflegekräfte sein soll, wie es der DBfK nennt, verstehe ich nicht ganz, aber naja.

Achja, in meinem Kurs von anfangs über 20 Leuten, sind über 85% Abiturienten.

Über den Autor

Matthias

Medizinstudent, Papa, (ehemaliger) Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer großen Intensivstation sowie leidenschaftlicher Blogger und Jogger.

13 Kommentare

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  • Ja, bei uns war das auch so. Und die Direktorin hat schon offen zugegeben, dass sie wenn sie die Wahl hat, eher Abiturienten eine Ausbildungsstelle geben würde…

  • Ich selber bin auch Hauptschüler (gewesen) als ich in die Ausbildung ging. Mittlerweile habe ich meinen Realschulabschluss nachgemacht. Ich war eben zu Faul in der Schule.

    Wie schon gesagt bin ich auch nicht gegen Hauptschüler in der Pflege, solange diese das neu gelernte anwenden können und den Pflegeempfängern gegenüber vertrauenswürdig umgehen und einen gewissen „Professionellitätsstandart“ (einen eue Wortschöpfung) gegenüber dem Beruf haben..

  • Problem ist, dass wir auf einen Pflegenotstand zusteuern. In zehn Jahren sollen 100.000 Stellen nicht besetzt werden können.
    So plante die Bundesregierung bereits 2009, etwa 50000 Pflegestellen zu schaffen (die vorher abgebaut wurden). Fakt ist, dass davon nur 14000 besetzt werden konnten, für den Rest fand man nicht genug Leute.
    Gründe dafür gibt es mannigfaltig. Einige Fragen die z.B. unbeantwortet bleiben: Wie soll ein 65jähriger noch andere Personen pflegen können, wenn es z.B. um körperliche Dinge geht (Transfer etc.). Warum hat heute fast jeder zweite in der Pflege einen Nebenjob? …
    Gleichzeitig soll oder muss sich der Pflegeberuf in Deutschland aufwerten. Aus dem nahen und fernen Ausland gibt es genügend Beispiele dazu. Gemeint ist u.A. die akademische Laufbahn des Pflegeberufes. Hier passen die Hauptschüler nun in diesem Sinne gar nicht mehr ins Bild. Beruf aufwerten aber gleichzeitig die Qualifikation im Zugang senken?
    Aber man kann es auch wie die Familienministerin halten, und „mehr Männer aus bildungsfernen Schichten“ zum Pflegeberuf heranzuführen – Gute Nacht Deutschland!! So einen Blödsinn – mit Verlaub – habe ich seit Blüm schon nicht mehr gehört. Aber wenn die Pflege sich nicht dagegen wehrt, dann behält er wohl Recht mit seinem Kommentar: „Jeder kann Pflegen!“

    Gruß
    Uli

  • Am besten nur noch Abiturienten zulassen die dann weiterhin irgendein Pflegestudium gleich nach der Ausbildung dranhängen, nur zum PFLEGEN ist irgendwann keiner mehr da……

  • Ich halte es auch nicht sinnvoll heutzutage (!) einen Hauptschüler in die Pflege zu lassen.
    Die Hauptschule ist in den meisten Bundesländern tot, die Abschaffung droht mangels geringer Schülerzahlen sowieso. Es bringt nichts eine sehr kleine Gruppe von oftmals unwilligen den Zugang zum Pflegeberuf zu ermöglichen.. warum auch.
    Die älteren (25+, 30+) mögen es verzeien , damals als wir in die Schule gingen war die Hauptschule noch was wert. Heute ist die sinnvollste Beschäftigung leider die, zu lernen wie man Harz 4 Anträge möglich so ausfüllt, dass die Argentur es akzeptiert. Das kann nicht der Sinn einer Schule sein, selbst die CDU erkennt dass diese Schulform abgeschafft gehört, dann erledigen sich auch die Diskussionen um den Abschluss irgendwann,

  • in den meisten Ländern gibt es keine Hauptschulen, sondern die meisten Schüler lernen lange und Krankenpflege ist dort ein Bachelorstudium mit Master- und PhD-Option, ebenso der Rettungsassisten/Paramedic.

    das es in DE nie so geworden ist hat nur bildungshistorische Gründe im mehrgliedrigen Schulsystem, in dem viele nie ein Abitur machen sollten und durften. In den meisten Ländern sind die Abiturquoten bei über 80% angekommen – ich weiß nicht, wie sie das schaffen, aber zunächst einmal werden dort alle gleich lang vorgebildet

    in DE hält man meiner meinung nach das Vorbildungsniveau künstlich niedrig und daran folgend hat man auch das Ausbildungsniveau entweder niedrig gelassen oder passt es immer weiter nach unten an wie im hiesigen Sachvrhalt.

    So gibt die KMK immernoch heraus, dass die Ausbildungsordnungen vieler Ausbildungen auf Hauptschulniveau bleiben müssen, obwohl in vielen Ausbildungen schon 50% Abiturienten drin sitzen. Das ist in DE nie modernisiert worden und wird anscheinend nur nach unten angepasst.

    Meiner Meinung nach muss folgendes passieren: DAs Vorbildungsniveau muss erhöht werden, indem möglichst viele lange allgemeingebildet lernen = 12-13 Jahre – dies passiert bereits durch die Bildungsexpansion, ließe sich aber beschleunigen. Der Beruf Pflege muss im EQR gleichgestellt werden in Stufe 6 wie es im Ausland üblich ist — denn letztlich ist es irrelevant, ob die Kompetenzen beruflich oder akademisch erfolgten, zukünftig aber sollte man das anpassen, in dem mehr Theorie einfließt. Im Gegenzug sind dafür aber die medizinischen Kompetenzen zu erweitern, wie es anderswo üblich ist.

    das mit dem Vorbildungsniveau erhöhen ist generell sinnvoll, denn eigentlich zählt jeder in DE, der eine Ausbildung absolviert international als Highschoolabsolvent, nur das er hier nie ein Abitur erhalten hat — ich nehme an, dass das daran liegt, das viele andere Länder Gesamtschulländer sind und das dem dortigen Standard entspricht.

    irgendwie hab iich das Gefühl, dass DE immer alles nach unten anpasst an ein zu geringes Vorbildungsniveau – ja, wie machen das denn die anderen Länder frag ich mich? Es geht um die Bildungsbasis – das hat zunächst nichts mit Intelligenz zu tun, sondern mit den grundlegenden Kompetenzen – das bildet man anderswo nunmal in 12 Jahren aus und nicht in 9 Schuljahren.

  • @Claudia

    das ist ein typischer deutscher Denkfehler mit den Pflegewissenschaften, wie er auch bei dem Studium Frühpädagogik erfolgt – bildungshistorisch leidet DE an der Geringschätzung der praktischen Tätigkeiten – einem Denken aus der Ständegesellschaft – in anderen Ländern ist die Pflege ein Bachelor und die sitzen nicht nur am Schreibtisch, sondern das sind nunmal die Krankenschwestern – die machen aber mehr als hier – dann gibts noch nen Master und oft nen PhD – zumindest in Australien und Neuseeland – das gilt da für die meisten Berufe – egal ob Koch, Friseur oder Krankenschwester – das sind alles Studenten an ner Universität – das sind Gesamtschulländer mit ner anderen Bildungskultur – mehr nicht!

    akademisch hier ist nicht das gleiche wie akademisch anderswo. Die Kinder machen da alle Highschool und danach kommt nunmal ein Studium (higher education bzw. tertiäre Bildung). Hierarchische Strukturen wie hier gibts da nicht mit mittlerer Bildung und höherer Bildung – das steht zumindest nicht in hierarchischer Beziehung zueinander.

    die hatten ein anderes Schulsystem – das ist alles.

  • euer Beruf war immer für Realschüler offen gehalten worden und nun soll er weiter angepasst werden um für Hauptschüler offen zu bleiben… und andere Berufe lassen sie hier auch immer auf Hauptschulniveau — das hängt mit dem mehrgliedrigen Schulsystem nunmal zusammen.

    ich sag ja: man kann natürlich das Vorbildungsniveau verlängern – das hat nichts mit der Intelligenz zu tun, sondern mit Allgemeinbildung als Basis – ein 16jähriger ist eh immer schwerer zu integrieren in den Arbeitsmarkt – zu unreif! Noch voll in der Pupertät – die Hauptschüler sind dann auch erst Recht nicht reif für den Pflegeberuf!

    nicht immer alles nach unten anpassen, sondern es muss nach oben – aber nicht auf Kosten derer, die schon im Beurf arbeiten! Die muss man gleichstellen, denn die haben auch 3 Jahre studiert bzw. gelernt – und zwar nichts anderes! = EQR Stufe 6!

  • der Krankenpfleger/schwester in DE muss im EQR unbedingt in Stufe 6 eingeordnet werden! Es fehlte schließlich bei vielen nur die Oberstufe Sekundarstufe 2 mit Allgemeinbildung – das ist anderswo nunmal die Standardvorbildung vor dem Beruf – nur deshalb wird es dort studiert als tertiärer Bildungsgang – naja gut, natürlich gibt es auch mehr Theorie. Aber das war hier bildungshistorisch nunmal nicht anders vorgesehen – dennoch kann man den jetzt nicht schlechter stellen als den Kollegen im Ausland.

    http://www.landtag-bw.de/Gremien/Enquete_Fit_fuers_Leben/EK2-gesamt-neue_fassung.pdf

    Seite 5 stehts — die Stufe 6 soll reserviert werden für die, die über die Hochschulen kommen – aber das wär nicht notwendig — denn es wäre egal, WO man gelernt hat! Abgesehen davon, dass auch sonst ganz widerliche Ansichten da drin zu Tage treten.

    der einzige Grund warum es hier nie studiert wurde war immer das mehrgliedrige Schulsystem. Des Weiteren wär es aber ebenso wichtig zu verhindern, dass nachher Geschäftemacher kommen, die damit Geld verdienen wollen – Weiterbildungen in der Krankenpflege bzw. von bereits beruflichen müssten genauso gebührenfrei sein oder finanziell gefördert werden wie die Studenten auch!

    und international zählt jeder Sekundarstufe 2-Absolvent, auch der, der eine ausbildung gemacht hat eigentlich als Highschoolabsolvent – nur in DE bekam er nie sein Abitur. Von daher darf man das nicht so eng sehen mit den Schulabschlüssen in dem System hier!

    http://www.data360.org/dsg.aspx?Data_Set_Group_Id=1653

    wichtig wäre nur, dass man die Vorbildung soweit erhöht, dass sie reif genug sind für die Anforderungen – das ist mit 16 (Hauptschulabsolventenalter) nicht gegeben! Deshalb ist es viel sinnvoller das möglichst lange offen zu halten und so viele wie möglich gleich lange lernen zu lassen – hat man anderswo anscheinend so gemacht. Anscheinend auch mit Erfolg — siehe Studierquote anderswo:

    http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/PresseUndAktuelles/2010/2010-09-06_PM-LangFinal.pdf Seite 11

    ihr seid die ganze Zeit der Akademikermangel – es ging nie um mehr Ingenieure oder Historiker — ihr seit in Wirklichkeit unserere vermissten Akademiker — weil anderswo das immer Akademiker sind.

    das ist der Akademikermangel – kein anderer. Er hat in DE meistens einen Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss und hätte anderswo ein Abitur bekommen.

  • und mit anderen Berufen ist es auch so: http://www.kmk.org/bildung-schule/berufliche-bildung/rahmenlehrplaene-zu-ausbildungsberufen-nach-bbighwo.html

    sie lassen die auf dem Hauptschulniveau, obwohl oft schon 50% Abiturienten dort drin sind und kaum ein Hauptschüler noch reinkommt

    und das fatale ist im Zusammenhang mit dem EQR _ Deutschland hat darauf bestanden, dass die Ausbildungen auf Hauptschulniveau bleiben sollen — dadurch aber wird verhindert, dass die Berufe höher eingestuft werden können – das wollen sie hier nicht —- ich weiß nicht, wieso die unbedingt die Hauptschule erhalten wollen?

    ich muss dazu sagen, dass ich in der Nähe von Dänemark wohne und wir haben hier dänische Schulen – an denen machen 80% ein Abitur . Da geht das immer komischerweise. In dänemark selbst ist es ähnlich – allerdings liegt das auch an der Kultur, weil man das dort gewohnt ist.

    ich frage euch: wie schaffen es Länder wie GB, Neuseeland, Australien, Dänemark, Kanada etc…. bei so vielen das Vorbildungsniveau angemessen herzustellen? Es hängt viel mit der Dauer (länger als 9 Jahre) und individueller Förderung zusammen. Da gibts zwar auch Schulabrrecher etc…. aber ich denke, dass es auch viel mit längerer Lerndauer zu tun hat.

    ein „Realschüler“ in DE hat anderswo IMMER ein Abitur gemacht, d.h. nur, dass er länger zur Schule ging und dadurch ne längere allgemeinbildende Basis hatte.

  • Ist nicht so ganz richtig, dass sich genug Realschüler und Abiturienten für Pflegeberufe bewerben. In Deutschland herrscht Pflegenotstand, ob in Altenheimen, oder in Krankenhäusern, überall fehlt Personal.
    Ich denke, dass man die verlangten Abschlüsse runterschraubt, liegt größtenteils daran. Der Job in der Pflege ist ein harter Job, den macht auch nun mal nicht jeder und auch nicht jeder ist für sowas geeignet, wobei ich jetzt das menschliche meine. Ob man jetzt mit einem Hauptschulabschluss schlechtere Arbeit leistet, als mit nem Realschulabschluß!? Ich denke, das kann man so nicht sagen. Die menschliche Kompetenz ist es, was ausmacht.

  • Huhu, der Beitrag ist nun schon ne weile her, aber ich bin auf den Blog gestoßen, da ich nun selber ne Ausbildung beginne.

    Ich habe Abitur und breche gerade mein Studium ab.

    Ich persönlich habe kein gutes Abi und komme eigentlich auch nicht aus dem Bereich der Gesundheit, wodurch die auch sehr kritisch beim einstellen waren, ob es das Richtige für mich ist, weil ich immer im Bereich der Technik zu Hause war.

    Jedoch hab ich den Wunsch schon seit Jahren und bin auch froh, dass die mir gleich ein Fernstudium angeboten haben.

    So nun zum Thema, wenn die es einführen sollten, dass auch Hauptschüler die Chance bekommen sollen, dann sollte es vorher einen „Einstellungstest“ für ALLE geben, egal mit welcher Reife.
    So würden alle gleich behandelt werden und so könnte auch ein Hauptschüler seine Fähigkeiten zeigen. Generell wäre ich dafür, dass man nen Test zu absolvieren hat, wo man ein paar Dinge zeigen muss. Szenarien bewältigen.

    Und die Thematik gibt es ja nicht nur im Gesundheitsbereich, sondern auch in anderen.

    LG