Klinikalltag Pflege

Pflege soll attraktiver werden?!

Was wurde denn da Schönes auf dem Pflegegipfel in Berlin in den letzten Tagen so beschlossen?

Ulla Schmidt sagte folgendes:

Nur wenn wir es schaffen, die Attraktivität des Pflegeberufs zu sichern, wird es auch künftig den dringend nötigen Pflegekräftenachwuchs geben.

Und wie  soll das klappen? Habt ihr da gut Ideen?

Mehr Pflegekräfte? Mehr Service- bzw. Hilfskräfte? Finanzielle Anreize? Komplette Revolutionierung des Pflegeberufes?

Ich weiß es nicht, aber man kann ja mal anfangen Ideen zu sammeln…


Link zum Artikel beim Ärzteblatt

Über den Autor

Matthias

Medizinstudent, Papa, (ehemaliger) Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer großen Intensivstation sowie leidenschaftlicher Blogger und Jogger.

6 Kommentare

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Ich akzeptiere

  • Pflegeberuf attraktiver machen…?

    Das einfachste Rezept: Andere Personalschlüssel ! Das ist der Knackpunkt aller Überlegungen, wie ich Pflege verbessere – alles Andere ist nachgeordnet.

    Ich brauche nicht mehr Geld (im Ernst: Ich würde es nur ausgeben…). Mehr Geld wäre sicher schön, glücklicher machts auch nicht und wenn ich tagsüber meine Ressouren für schlchte Pflege vergeude (wegen schlechtem Personlaschlüssel) ist das es ür mich auch ein Ausgleich mit mehr Geld daür entschädigt zu werden.

    Ich brauche auch keine kürzeren Arbeitszeiten. Ich brauche nur die Möglichkeit, gute Arbeit in vorgegebener Zeit leisten zu können. Auch das ist nur möglich, wenn ich unter einem anderen Personalschlüssel arbeite

    Die Akademisierung der Pflege? Wozu? Damit ich nachher die Bettschüssel in studierte Form schieben kann…? Um die Pflege inhaltlich attraktiver zu machen, ist die Akademsieirung wenig geeignet. Individuell mag es nett, sein, mal ein paar Jahre die Praxis zu verlassen und die Schulbank drücken, aber was mache ich mit meinem angesammelten Wissen? Den Mangel auf akademische Art verwalten? Nein, danke.

    Jegliche Akademisierung vor dem Hintergrund fehlender Zeitressourcen macht die Pflegenden nur noch depressiver weil Anspruch und Wirklichkeit immer mehr auseinander klaffen. Was nützen mir Studien über dies und das, wenn am Ende die rudimentärsten Bedürfnisse nicht befriedigt werden können.

    Wenn Patienten keine frische Wäsche mehr bekommen, wenn sie nur noch essen bekommen, weil zufällig Angehörige zum füttern da sind, wenn Patienten drei Stunden auf ein Schmerzmittel warten müssen, weil die Personalschlüssel nicht stimmen, kann ich mir alle anderen Überlegungen sparen.

    Ich brauche Ruhe und Raum, den mir anvertrauten Patienten begegnen zu können. Und ich brauche Ruhe und Raum, mich von dieser Begegnung auch wieder erholen zu können. Ich brauche z.B. keine Entlastung von pflegefremdem Diensten (Laborröhrchen ins Labor bringen etc) – wenn ich unter vernünftigen Zeitbedingungen arbeite, sind solche „pflegefremden“ Arbeiten sogar eine Möglichkeit, den Kopf wieder frei zu kriegen – auch das ist nur mit mehr Personal, mit einem anderen Stellenschlüssel möglich.

    Ich erfuhr letztes Jahr über die Situation in ein paar anderen Ländern (A, CH, S, H etc.), ich war über manche Personalschlüssel wie vor den Kopf geschlagen. Da arbeiten die z.B. auf der Dialyse mit einem Stellenschlüssel von 1:3 oder 1:4. Hierzulande arbeiten manche Zentren bereits mit einem Schlüssel von 1:6, ich kenne sogar einen Laden, dort wird mit 1:8 gearbeitet. Sicher, die Zahl sagt erst mal nur begrenzt was – aber mit 1:8 ist keine menschenwürdige Versorgung mehr möglich…

    Ach, ich brauche noch was: Einen freundlicheren Umgang miteinander.

    Ich kenne einen Krankenpflegeschüler aus der Schweiz, der machte im letzten Jahr ein längeres Auslandpraktikum in D. Als er nach Hause kam, war sein Bericht „Nie wieder möchte ich in einem Land arbeiten, in dem die Mitarbeiter derart unfreundlich miteinander umgehen“

    Auch das ist eine Folge schlechter Personalschlüssel…

    • Guten Morgen,
      ich habe deinen Beitrag gelesen und muss dir voll und ganz zustimmen.Ich bin seit 1984 in der Pflege und wenn ich zurück denke wieviel Zeit ich früher hatte einen Patienten zu versorgen und wieviel Zeit ich heute dafür habe…. das ist ein himmelweiter Unterschied !!! Eigentlich ist es schrecklich wie wenig Zeit man heute hat um einen kranken Menschen anständig zu versorgen.Ich überlege ernsthaft den Beruf aufzugeben, weil es einfach keinen Spass mehr macht…….
      Und der Umgangston mancherorts ist unter aller Kanone,da kann ich dir nur recht geben.Wie schade..
      In dem Sinne,alles Gute und herzliche Grüße

  • Das ist eines meiner Anreize gewesen, den Pflegebloggerblog ins Leben zu rufen um außenstehenden einmal zu zeigen, dass dieser Beruf nicht nur aus „Arsch abwischen“ besteht..

    Das ist an sich ein sehr interessantes Thema.. Und gerade der Punkt mit dem „unfreundlichen“ Personal ist ein ganz heißer Punkt. Mobbing ist da nicht selten in Pflegeteams. So zumindest meine Beobachtungen nach ca. 4 Jahren Pflege..

  • Schon seltsam, dass sich die Gesellschaft so sehr gegen die Akademisierung der Pflege auflehnt. Zwar sind schon längst artverwandte Berufe wie Ergo, -Physiotherapeuten oder MTA’s auf FH-Basis unterwegs, bei der Krankenpflege jedoch, ist es ja angeblich nicht nötig. Ich bin selbst diplomierte Krankenschwester, und kann behaupten, eine sehr gute Ausbildung erhalten zu haben. Eine die nicht zwangsläufig aus Grundpflege und Kaffee trinken besteht. Längst ist die Pflege ein eigenständiger Bereich, in dem auch wissenschaftlich geforscht wird, und kein Hilfsberuf der Medizin!!! Ich habe es langsam satt, dass Medizin und Pflege mehr gegeneinander als miteinander arbeiten. Ich schätze viele der Ärzte auf meiner Station als meine Kollegen, sie sind aber nicht meine Vorgesetzten! Solange man die Pflege derart herunterspielt (leider auch aus den eigenen Reihen!), wird die Akademisierung (die bereits läuft) dennoch gesellschaftlich nicht anerkannt werden. Ich muss mir sogar von Freunden und Bekannten anhören „Na ich könnte so einen Beruf nicht machen, den ganzen Tag Leute waschen…“. Ich frage mich immer wieder, wie ich eigentlich dazu komme, mir das anhören zu müssen, schließlich urteile ich auch nicht über Berufe anderer. Vor allem sollte man seinen Mund nicht so weit aufmachen, wenn man doch keine Ahnung von der Arbeit einer Krankenschwester hat. Und abgesehen davon, ist es stark bereichsabhängig, welchen Tätigkeiten man nachgeht. Für mich spricht hier nur die Dummheit aus den Menschen. Ich bin dafür, sich ein eigenes Bild zu machen, anstatt sich vorgefertigter Sprüche zu bedienen. Ich lebe und liebe meinen Beruf und bin für die Anhebung des Niveaus (aus gesellschaftlicher Sicht) durch eine Akademisierung. Die Zeiten, in denen die klassische Krankenschwester aufopfernd und die Helferin der Nation war, sind vorbei. Tatsächlich geht man nicht in die Pflege um „zu helfen“. Es ist ein Beruf, klar sollte man ihn mögen, aber ich bekomme dafür gutes Geld, und arbeite nicht, weil ich am Helfersyndrom leide. Wer in seinem Beruf zufrieden und authentisch ist, der macht ihn auch gut. Alle anderen sollten die Finger von Berufen lassen, in denen Menschlichkeit & Intelligenz gefordert ist!!!

    • Hallo ich stimme dem Michael vollkommen zu… Für mich stehen wir vor der Schwelle zur gefährlichen Pflege oder haben sie längst überschritten.

      Zu Cleo
      Akademisierung der Pflege bringt uns rein garnichts… zu diesem Zeitpunkt! Es liegt dafür viel zu viel im argen. Eine Akademisierung der Pflege würde weitere Stellenkürzung zu Folge haben… da man davon ausgeht das diese Art von Pfleger/inen mehr Arbeit leisten können! Zu dem habe ich die Befürchtung das durch ein Akademisierung der Pflege das Menschliche vollkommen auf der Strecke bleibt und heut zu Tage ist es shcon längst so weit das man oft das Menschliche zurück stecken muss!

      Ich muss ganz klar sagen das der Pflegeberuf mit solchen Bedingungen für immer unattraktiv bleibt!

  • Eine Akademisierung bringt keine weiteren Stellenkürzungen. Woher hast du diese Informationen? Wieso sollte das Menschliche zu kurz kommen, wenn man studiert ist? Weil du das bei den Ärzten beobachtest? Ein Studium in Pflege beinhaltet in Kooperation mit den Pflegeschulen dieselben Inhalte wie bisher, bloss mit einem hohen Anteil an Pflegewissenschaft, Prävention und Gesundheitsförderung, Psychologie usw. Psychosoziale Aspekte haben eine hohen Stellenwert in der Pflegeausbildung auch zum Bachelor. Das bedeutet, das Menschliche kommt an erster Stelle. Pflegende werden außerdem geschult ihr Pflegehandeln kritisch zu reflektieren und zu verändern. Sie lernen, wo das Wissen herkommt, wie man es anwendet und wie es generiert wird. Das macht eine Profession aus. Eigenständiges Entscheiden und Handeln muss man begründen können. Eine Akademisierung bedeutet eben auch, den Beruf wieder attraktiver zu machen und unter anderem Argumente liefern zu können die einen höhreren Personalschlüssel rechtfertigen. Wer Wissen hat, hat Macht. So lange wir kleinlaut bleiben und uns nicht vorwärts bewegen, wird sich auch nichts verändern.
    Grüsse von einer Diplompflegepädagogin in spe und Krankenschwester