Klinikalltag

Stationsalltag im Dezember

So, ich berichte mal wieder etwas von Station. Damit ihr auch mal wieder was Pflegerelevantes zu lesen bekommt.

Bin momentan auf einer HNO-Station, mit vielen OPs und ständig wechselndem Klientel. Es sind viele Tonsillektomien dabei, Septum-OPs, Nasenbluter oder Menschen mit entzündlichen Prozessen wie Nasenfurunkel („Rudi, the red nose rendeer…“) oder Abzessen im Gesicht…

Insgesamt sehr übersichtlich von den Krankheitsbildern, was eigentlich sehr angenehm ist: „Nasen“ dürfen nach OP direkt wieder essen, bei den TEs ist erstmal nur trinken, dann flüssige Kost (noch am gleichen Tag) angesagt – das Eis natürlich nicht vergessen – und Fruchtsäure und heiße Speisen sollten gemieden werden. Das kapiert und es kann erstmal nichts mehr schief gehen.

Wie funktioniert eigentlich so eine Tonsillektomie – also wie kommen die Mandeln da raus? Ich wusste es auch nicht, da ich noch nicht mit in den OP gegangen bin und hab deshalb mal gesucht und bitte schön, Film ab:

Weiteres Highlight bezüglich Krankheitsbildern sind Patienten, die unter Morbus Osler leiden: diese Patienten haben eine krankhafte Erweiterung ihrer Kapillaren, wodurch es immer wieder zu Nasenbluten kommt. Der Patient, den ich kennengelernt habe, der hat schon über 90 OPs hinter sich. Vor ein paar Tagen habe ich ihn noch zum Herzkatheter gefahren zur Koagulation, dann wurde er wieder entlassen und seit dem Wochenende ist er wieder auf Station, da es nachts wieder zu bluten begonnen hat und heute gab es erstmal zwei EKs.

Ausserdem hab ich heute den ersten Patienten mit Morbus Addison kennengelernt – ich finde es immer um einiges leichter, wenn man zu einem Krankheitsbild auch einen Patienten kennt – lernt sich um einiges leichter – ich sag nur Chunking und Verknüpfen mit bekannten Informationen!

Zudem sind auch Nephro-Patienten auf unserer Station „ausgelagert“ – zwei mit transplantierten Nieren – der eine hat seine Niere schon 9 Jahre, der andere nun bald für 11 Jahre. Da finde ich es immer sehr spannend, sich mit diesen Patienten zu unterhalten. Ihre Erfahrung mit Trinkmengenbeschränkungen, mit der Dialyse, mit dem Warten auf eine Niere oder das penible Achten aufs Körpergewicht.

Also, wie ihr seht, ist es nicht langweilig…

Über den Autor

Matthias

Medizinstudent, Papa, (ehemaliger) Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer großen Intensivstation sowie leidenschaftlicher Blogger und Jogger.

8 Kommentare

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Ich akzeptiere

  • Mein Gebiet ist ein ganz anderes. Ich bin seit 20 Jahren ein orthopädischer Fachidiot. Bei uns sieht es auf Station im Moment ganz anders aus. Unser Klientel wird immer älter. Bei uns sind es alles Wahleingriffe, d.h. nur auf eigenen Wunsch, keine akut Erkrankungen. Lauter neue Hüften und Knie. Durchschnittliche Verweildauer bei uns in der Klinik 28 Tage, also wer jetzt in den nächsten 2 Wochen operiert wird, bleibt über Weihnachten. Frei nach dem Motto, da wo Oma oder Opas Sessel steht soll der Weihnachtsbaum stehen. Traurig aber leider war.

    • das ist ja schon heftig! Aber das hört man öfters, dass sich die Stationen zur Weihnachtszeit immer wieder mit älteren Patienten füllt…

      Willst Du denn „Fachidiot“ bleiben? Hast Du schonmal über Rotation nachgedacht?

      Für mich als „Anfänger“ ist es unvorstellbar so lange auf einer Station zu bleiben – man muss doch auch mal wieder was neues sehen, oder? Oder ist das nur meine ideale und naive Sichtweise und in 20 Jahren bin ich dann auch noch auf der Station, auf die ich nach meinem Examen gewechselt bin? …spannend!

  • Vielen Dank dafür, dass du wieder mehr pflegebezogene Beiträge schreibst.
    Diese sind der Grund dafür, dass dein Blog in meinem Feedreader ist.
    So ist es wieder interessant hier zu lesen. Weiter so.

    • Back to the roots :-)

      Ich hab mir deinen Kommentar schon zu Herzen genommen – wenn man das richtige Feedback bekommt, dass steigt auch wieder die Motivation!

  • Habe zwischendurch gewechselt, war als erstes im OP, wäre mein Traum gewesen aber ich habe eine Allergie gegen Desinfektionsmittel entwickelt. Ade schöner Traum. Danach war ich auf einer VorrehaStation und konservativer rheumatologischer Station. Dann eine Weile auf einer Neurologischen und inneren Station gearbeitet. Dazwischen Mentorinausbildung und Stationsleitungkurs gemacht. Dann wurde ich Mama. Danach bin ich wieder auf einer orthopädischen, operativen und konservativen Station. Seit 2,5 Jahren jetzt nur noch Orthopädie und total glücklich darüber. Mache aber Aushilfen in mehren Bereichen, aber am liebsten da wo ich jetzt bin.