Pflege

Kopflos dem Pflegenotstand begegnen

Unglaublich, was momentan in der Politik bezüglich dem Fachkräftemangel in der Pflege los ist.

Vor ungefähr einem Jahr hieß es noch von der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt:

Nur wenn wir es schaffen, die Attraktivität des Pflegeberufs zu sichern, wird es auch künftig den dringend nötigen Pflegekräftenachwuchs geben.
Link zum Artikel beim Ärzteblatt

Und der amtierende Gesundheitsminister Philip Rösler sagte im Dezember 2010, dass das Jahr 2011 zum Pflegejahr wird. (Link)

2011 ist nun angelaufen und die ersten Ideen der Politiker werden bekannt und über diese kann man nur den Kopf schütteln!

So äußert sich unsere Bundesfamilienministerin Kristina Schröder von der CDU folglich zum Pflegekräftemangel:

Wir wollen die Pflege als Beruf attraktiver machen und Bewerbern ein breiteres Tätigkeitsfeld und mehr Wechselmöglichkeiten eröffnen.

Und als weitere Idee schlägt sie dann folgendes vor:

„Gerade solche aus bildungsfernen Schichten, die wegen schlechter Zeugnisse den Einstieg nicht geschafft hätten“, könnten in Pflegeberufen unterkommen, sagte Schröder. Wer sich als Pflegehelfer bewähre, solle künftig „unabhängig von den Schulnoten die Chance erhalten, sich zum Altenpfleger weiterbilden zu lassen“.
(Link)

Welche Vorstellung vom Pflegeberuf haben die Politiker eigentlich? Sieht die Erhöhung und Sicherung der Attraktivität des Pflegeberufs aus politischer Sicht so aus, dass dort einfach jeder genommen wird?

Anrechnen muss man Frau Schröder jedoch, dass sie wenigstens für eine „Weiterbildung“ ist und nicht wie ihr Kollege Harry Glawe (Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern) nur noch auf „learning by doing“ baut. Herr Glawe ist der Meinung, dass eine 10 jährige Praxiserfahrung als Pflegehelfer gleichwertig der 3 jährigen Ausbildung sei. (Link)

Meiner Meinung nach könnte man statt „learning by doing“ auch „try and error“ sagen und die Verantwortung und Weiterbildung der Ungelernten muss selbstverständlich von den schwindenden und überlastenden examinierten Fachkräften übernommen werden.

Meinung zum Thema bei den Kollegen:

Realistisches Bild der Krankenpflege:

Was haltet ihr von den von der Politik geplanten Gegenmaßnahmen gegen den Pflegekräftemangel?

Über den Autor

Matthias

Medizinstudent, Papa, (ehemaliger) Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer großen Intensivstation sowie leidenschaftlicher Blogger und Jogger.

9 Kommentare

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  • Na klar.. Ausbildungsferne Schichten kümmern sich um kranke Menschen, die vielleicht sogar komplexe Probleme haben.
    Du hast vollkommen recht. Das Bild, was die Politik und der Deutsche im Allgemeinen von der Pflege hat, ist ein komplett falsches und eigentlich eine Frechheit.
    Der Film spiegelt, meiner Ansicht nach, den Alltag recht gut wider. Auch, wenn die Sprecherin ein kleines bisschen auf die Tränendrüse gedrückt hat. Matthias Glaser ist ein kleiner Superpfleger und Michael Sturm auch ne kleine Heulsuse (Stichwort: Angst im Beruf).
    Thema Weiterbildung: Da muss natürlich auch das Haus daran interessiert sein. Ich kenne große Häuser in Berlin, denen das scheißegal ist. Wichtig ist, dass lt. Schlüssel „genug“ Personal vorhanden ist, dass die Listen, die abgehakt werden müssen, auch abgehakt sind und dass man nicht die 10 Tage Fortbildung, die in 2 Jahren zur Verfügung stehen, in Anspruch nehmen möchte (man kriegte sie eh nicht, da von 3 Tagen Kongress nur 1 Tag bekommt – der Rest ist „Privatvergnügen“).
    So werden wir alle zu Fachidioten und Gefangene der stationseigenen Abläufe, können selten über den Tellerand schauen (es sei denn, man geht leasen, was man heutezutage ja fast schon machen muss, um mehr Geld zu verdienen) und tun Dinge, weil man sie so tut.. oft ohne zu wissen, warum.

    Ich könnte hier direkt einen ergänzenden Artikel schreiben und mich auskotzen, aber ich lass es..
    Aber danke Dir für den Artikel und den Bericht!

    M.

    • Aber gerne doch!

      Der Bericht reißerisch und fachlich teilweise fraglich – „Aorta zum Herzen droht zu Platzen?!?“, aber als Einblick ganz ok, auch wenn ich den meisten Politikern gerne ein paar Schnuppertage in Pflegeheimen, in der ambulanten Pflege und im Krankenhaus empfehlen würde!

  • Definitiv MUSS der Pflegenotstand in Deutschland selbst bearbeitet und gelöst werden.
    Die Ideen konservativer und liberaler Politiker,
    die Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU könnte hier eine Heerschaar an Pflegekräften- zudem für billigste Gehälter -einschwemmen, ist eine Schnapsidee die nicht mal im Ansatz die Realität beachtet.

    Der errechnete Bedarf allein bis zum Jahr 2020 an Pflegekräfte würde voraus setzen, daß SÄMTLICHE Pflegekräfte des Gesundheitswesens aus Polen, Tschechien und Ungarn KOMPLETT abgeworben werden müssten.
    Da hilft es ein wenig in den Statistiken zu Blättern und überhaupt erst mal zu schauen, wie viele Pflegekräfte in den avisierten Ländern generell in den Berufen befindlich sind.
    Definitiv muss das Problem im eigenen Land bearbeitet werden.
    Tiefstapel in dernotwendigen Qualifizierung hilft da übrigens auch nur wenig, schließlich würde dies bei qualifizierten Fachkräften zu weiteren ausscheiden aus dem Deutschen Pflegewesen führen.

  • Man erkennt doch am verhalten der Politiker, was unser Beruf wert ist.
    Stiefmütterlich wird vor allem die Altenpflege behandelt (gut, ganz unschuldig ist sie natürlich nicht), dennoch ein falscher Weg mit viel Irrglauben. Seit wann gab es in Deutschland ein einheitliches Altenpflegegesetz? Wie sieht der Mindestlohn in der Pflegebranche aus? 8,50 EUR / Stunde – Ist das FAIR? Bänker bekommen MILLIONEN Euro Ablösesummen, dafür dass sie Schei*e labern, wir müssen sie vor dem wegmachen noch begutachten und auswerten…

    Die beste Lösung erschien vielen Politikern doch, Osteuropäer ins Land zu holen! Dass das aber eine Kettenreaktion hervorruft z. B. im Sektor der ambulanten Pflege kümmert keinen… Ich habe nichts gegen Ausländer, schließlich ist das Blut aller Menschen rot! Aber eine brauchbare Lösung ist es auch nicht… Nicht dass ich jetzt DIE IDEE habe, aber viele Köpfe könnten viele verschiedene Meinungen zum Vorschein bringen. Wasi ch meine: Warum involviert und integriert man keine betroffenen für anstehende Lösungsversuche? Wer hat denn mehr Ahnung als die, die den Beruf Tag für Tag ausüben?

    Sämtliche Arbeitsbedingungen sollten gelockert werden, da der Pflegeberuf nachweisbar kränker macht. Betrachtet man div. Statistiken arbeiten kaum ein Mensch länger als 20 Jahre in unseren Berufen… Für mich aussagekräftig genug oder nicht?

    Das hier mag stellenweise vielleicht den Anschein machen, dass ich meinen Beruf nicht mögen würde. Ich mag meinen Beruf sehr! Was ich nur nicht mag, ist das leider viel zu Oft in stich gelassene Umfeld und immer seltener geht es um den Menschen an sich, sondern immer mehr um Zahlen und Fakten. Das liebe Geld hauen Krankenkassen lieber bei sinnlosen „Gewinnspielen“ aus – So kann das ganze auch nicht funktionieren…

  • Angela Merkel hat den Satz geprägt: „Pflegen kann jeder!“ und ihr Parteigenosse Linnemann sagte erst kürzlich: „Man kann Hartz IV Empfängern durchaus zumuten, in der Pflege zu arbeiten!“

    Soviel zu Politik und Pflege und auch zum Stellenwert unseres Berufes… sagt ein nur noch frustrierter Pfleger mit Uniklinikjob im 3. Jahrzehnt.

  • Die Schweiz sucht noch Pflegekräfte !
    Also wer keine Lust mehr hat in Deutschland für ein Nasenwasser
    zu arbeiten ….
    Bruttoverdienste um die 8000 Franken sind keine Seltenheit.
    Achja …. 1 Euro = 1,10 Franken.
    Es lohnt sich.

    Also ihr lieben Politiker … Auf Auf der Wettbewerb um die Pflegekräfte hat begonnen.
    Das kostet Geld !