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Bericht über den VW Eco Up! mit Erdgas-Antrieb

Umweltbewusstsein und Autofahren passt nicht wirklich zusammen. Wenn Autofahren jedoch unbedingt notwendig ist und einem die Umwelt am Herzen liegt, so gibt es mittlerweile auch einige Alternativen zum klassischen Benziner-Auto. Vor über einem halben Jahr wurde für uns ein Auto notwendig und unsere Wahl fiel auf den VW eco up! mit Erdgas-Antrieb. Ich möchte nun nach den ersten 5000 Kilometern über unsere Erfahrungen mit dem Auto berichten.

Ein klimaschonendes Auto – und dabei auch noch günstiger?

Als wir uns zu Beginn nach Autos umgeschaut haben, war uns relativ schnell klar, dass wir auf Grund der teuren Kraftstoffpreise keinen Benziner zulegen wollten und konnten.

Da unter der Woche täglich eine Strecke von ca. 80 Kilometer zurückgelegt werden sollte, fiel auch ein Auto mit Elektroantrieb aus der Auswahl raus, obwohl ich ja schon bei meinem Test des Carsharing-Anbieters Multicity das Fahren mit einem Elektroauto testen konnte und als sehr angenehm empfunden habe. Aber gerade wenn man größerer Strecken zurücklegen möchte, sind reine Elektroautos noch keine Alternative auf Grund ihrer geringen Reichweite. Außerdem sind sie in ihrer Anschaffung noch deutlich teurer und durch die Akkus kommen nochmalig monatliche Kosten für die Miete dieser auf einen zu.

Ein weiterer Eingrenzungsfaktor war natürlich der Preis, der die 20.000 Euro nicht sprengen sollte und somit wurde unsere Aufmerksamkeit ziemlich schnell auf den eco up! von Volkswagen gelenkt.

Der eco up! ist Ende 2011 auf dem deutschen Markt erschienen und ist das Erdgasmodell aus der up!-Serie von Volkswagen. Ende 2013 hat VW nun auch eine Elektrovariante, den e-up! auf den Markt gebracht.

Volkswagen selbst wirbt mit dem Spruch: „3,05 € für ca. 100 km. Da ist Parken fast teurer.“ Herstellerangaben sind ja immer so eine Sache, aber wir haben uns dann gedacht, wenn wir auf 4 € für 100 km kommen, so bezahlen wir immerhin nur etwas mehr als die Hälfte als wenn man mit einem Benziner fährt. Bei meiner letzten längeren Fahrt von über 500 Kilometern, hatte ich einen Durchschnittsverbrauch von 3,9 kg/100 km. Bei unserer Standard-Erdgastankstelle ist der Preis je kg Erdgas 1,086 €. Das macht also einen Preis von 4,24 € pro 100 Kilometer und ich bin hauptsächlich Autobahn gefahren.

Kleinstwagen und trotzdem Komfort?

Wie bei fast jedem Auto kann man auch beim up! zwischen einer Vielzahl an Ausstattungsmerkmalen auswählen. Wir haben uns für das Ausstattungsmodell cheer up! als 3-Türer entschieden, welches das Äußere (schöne Leichtmetallfelgen und farblich abgesetzte Außenspiegel) und das Innere (Lederlenkrad und -schaltknauf, Zierleisten und schönere Sitze) aufhübscht. Dazu kam noch das Winterpaket, welches eine Sitzheizung für die vorderen Sitze, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel sowie Nebelscheinwerfer beinhaltet. Eine Klimaanlage, das abnehmbare Navi-System und das Drive-Pack „plus“ mit City-Notbremsfunktion, einem Tempomat und einer Einparkhilfe kamen dann auch noch hinzu.

Mit dieser Ausstattung sind wir nun sehr zufrieden – wenn man vorne im Auto sitzt, so fühlt es sich edel und qualitativ hochwertig an. Und durch die einzelnen Akzente wie dem Lederlenkrad mit Ziernaht ist man auch abgelenkt davon, dass z.B. die Türen nicht vollständig verschalt sind und man auch innen die weiße Lackkarosserie wieder findet.

Vor unserer Kaufentscheidung bin ich den normalen up! (Benziner) auch einmal Probe gefahren. Das Probeauto war die ganz schlichte klassische Ausstattung und wirkte somit auch recht einfach. Wenn man etwas mehr Geld investieren kann, so würde ich dies auf jeden Fall tun, da es sich sehr positiv auf den Wohlfühlfaktor im Auto auswirkt.

Der up! ist nur 3,54 Meter lang und sieht von außen auch recht klein aus. Erstaunlicherweise fühlt er sich innen, wenn man vorne sitzt, sehr geräumig an. Ich bin 1,86 m groß und habe keine Probleme mit meinen Beinen oder fühle mich auch nicht nach oben hin eingeengt. Enger wird es definitiv, wenn man hinten sitzt bzw. auch wenn man jemand hinten sitzen hat, da man dann, damit es für denjenigen einigermaßen bequem ist auch vorne etwas vorrutschen muss.

Wie klappt das mit dem Erdgas?

Der eco up! ist mit zwei Tanks ausgestattet: dem Haupttank für das Erdgas, welcher 11 Kilogramm Erdgas (CNG – Compressed Natural Gas) fasst und einem 10 Liter Benzin-Tank, der als Reservetank dient.

Wer sich für ein Auto mit Erdgas-Antrieb entscheidet, sollte auch schauen, dass sich auch eine Erdgastankstelle in der Nähe von Zuhause oder auf dem täglichen Fahrtweg befindet. Mittlerweile gibt es in Deutschland bereits über 9000 Erdgastankstellen und es sollen wohl auch mehr werden. Bis jetzt sind wir ausschließlich mit Erdgas gefahren und der Benzintank dient bei uns wirklich nur als Reservetank.

Einen guten Überblick über das aktuelle Angebot an Erdgas-Tankstellen, sowie die ungefähren Preisen an den jeweiligen Tankstellen bietet die Seite erdgas-mobil.de.

Beim Tanken muss man sich etwas umgewöhnen, aber nach zwei bis drei Erdgas-Tankgängen ist auch das kein Problem mehr. Beim eco up! befindet sich hinter dem gewöhnlichen Tankdeckel sowohl der Einlass für den Benzintank als auch ein Einfüllstutzen für das Erdgas. Nach dem Konnektieren wird dann mit bis zu 200 bar das Erdgas in den Tank gepresst. Volltanken kann man den Erdgastank für ca. 12 Euro und hat damit im Schnitt eine Reichweite von über 300 Kilometern. Es ist immer sehr schön in der Tankstelle zu stehen und bei den anderen Autofahrern hört man dann immer „56 Euro neunzig“ oder „49 Euro sechsunddreißig“ und bei uns heißt es dann immer „Bei der 12 macht es dann einmal 10 Euro zwölf“.

Und Langstrecke?

Nur 9000 Erdgas-Tankstellen und der Erdgastank reicht nur für ca. 300 Kilometer und dann noch so ein kleines Auto – macht da Langstrecke fahren überhaupt Spaß? Ich finde schon. Wir sind schon einige Male aus dem Schwabenland nach Berlin gefahren und waren auch im Allgäu und dem bayrischen Voralpenland unterwegs und hatten unseren Spaß mit unserem eco up!.

Wie oben schon erwähnt haben wir bis jetzt nur vom Ergastank gezehrt und mussten noch nicht auf den Reservetank zurückgreifen. Zum einen weil wir vorher geschaut haben, wo so ungefähr die nächsten Erdgastankstellen sind und zum anderen, weil das Navisystem „maps+more“ einem bei einer Restreichweite von 80 Kilometern mit dem Erdgastank auf den Füllstand aufmerksam macht und direkt die Möglichkeit bietet, die nächste Erdgastankstelle, wenn möglich sogar auf der Route, ausfindig zu machen und zu dieser hin zu navigieren.

Plant man eine längere Tour, wie z.B. die Fahrt aus dem Schwabenland nach Berlin, so berechnet das Navisystem eine sogenannte Multi-Stopp-Route, bei der es bereits im Voraus zwei bis drei Stopps bei Erdgas-Tankstellen einplant. Und in unserer bisherigen Erfahrung sind diese oft bei Autohöfen und nicht weit von der Autobahn entfernt.

Fahrgefühl?

Der eco up! hat 68 PS, hat einen 1-Liter Dreizylindermotor und beschleunigt laut VW von Null auf Hundert in 16,3 Sekunden. Flott ist der up! also definitiv nicht, sondern eher gemütlich. Kennt man ein anderes Auto, so muss man sich an diese Gemütlichkeit erst einmal gewöhnen und lernen, dass man an der Ampel nicht sofort losdüsen kann. Der up! gibt auch Schaltempfehlungen und fordert ein relativ frühes hochschalten, welches zum einen zwar kraftstoffsparend ist aber nicht unbedingt sehr spritzig. Mittlerweile haben wir uns aber daran gewöhnt und finden es nicht weiter störend.

Gibt man weiter Gas, so kommt man auf der Autobahn auf eine Maximalgeschwindigkeit von ca. 160 km/h. Als angenehm empfinde ich auf der Autobahn eine Reisegeschwindigkeit von ca. 140 km/h mit denen der eco up! locker zurechtkommt und ein gutes Fahrerlebnis bietet.

Probleme?

Gelobt habe ich das kleine Auto genug, es gibt aber auch Probleme:

Das Auto war noch nicht mal einen Monat alt, als die Zentralverriegelung, Blinkanlage, Licht sowie der Scheibenwischer und die Lüftung ausgefallen sind. Der Elektronikdefekt wurde in einer VW-Werkstatt relativ zügig im Rahmen der Garantie repariert, jedoch war das Verhalten bezüglich Leihwagen und Vorbeibringen des Wagens mit beschriebenen Defekt von Seiten der Werkstatt und VW sehr fragwürdig.

Zum anderen ist das Navisystem und das darin integrierte Entertainmentsystem machmal etwas störrisch. Beim Abspielen von Musik von der Speicherkarte kommt es gelegentlich zu Aussetzern, die das System dazu bringen sich neuzustarten. Oder auch beim Abspielen von Audio über die Bluetooth-Verbindung kommt es manchmal zu Hängern oder „maps+more“ und Handy sehen sich plötzlich nicht mehr.

Über den Autor

Matthias Ulbricht

Medizinstudent, Papa, (ehemaliger) Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer großen Intensivstation sowie leidenschaftlicher Blogger und Jogger.

4 Kommentare

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  • Danke für den ausführlichen Bericht. Kann in allen Punkten nur beipflichten… ein sehr schönes, sparsames Auto, mit dem ich seit 1,5 Jahren gut fahre.
    Allerdings waren nach bereits 7 Monaten die Bremsen defekt – die Bremsscheibe rechts saß gewissermaßen schief drauf, was einen Komplettaustausch inkl. Belege erforderlich gemacht haben. Kulanz von VW?? NULL – aufgrund der Tatsache, dass es sich um Verschleißteile handelt… sehr fragwürdige Politik, die VW da an den Tag legt.
    Das Problem mit der Speicherkarte habe ich auch, konnte dazu leider auch noch kein Firmware-Update finden.
    Trotz dieser Probleme war es eine sehr gute Entscheidung, dieses Auto zu kaufen, auch in Hinblick auf die verlängerte Erdgasförderung bis 2023 (?), was sich positiv auf den Wiederverkaufswert auswirken wird.
    Eine Frage: Waren die CNG-Tankstellen schon vorab eingespeichert? Ich musste diese erst mühselig auf das Gerät laden…

    • Das mit den Bremsen ist ja ärgerlich!

      Firmware Update für maps&More, welches die Aussetzer behebt, ist mir auch nicht bekannt.

      Subventionierung der Erdgas-Steuer ist bis 31.12.2018 sicher, Antrag bis 2030 liegt wohl schon in Brüssel.

      Bei uns waren die CNG-Tankstellen bereits ab Werk im Navi hinterlegt, ein mühseliges Nachladen war nicht notwendig.

  • Da hat sich aber der Herr Eco-up! Tester in Sachen Erdgas-Tankstellen gewaltig vertan. Tatsächlich gibt es nur 900 Erdgas-Tankstellen und keine 9000 (!) in Deutschland.

    Also vorher besser recherchieren, sonst kann ungewollt der Rest eines ansonsten gut geschriebenen Testberichts in der Aussage in Zweifel gezogen werden.

    • Hallo Sven,

      kleiner Tipp für Dich von einem „gestandenen Mann“!

      Man macht sich nicht dadurch interessanter und wichtiger, dass man aus einer Mücke einen Elefanten macht!

      Es hätte gereicht, die Zahl der „Biogastankstellen evtl. mit einer „Fundstelle der Information über die Anzahl“ zu korrigieren.

      „Nemo sibi tantummodo errat, sed alieni erroris et causa et auctor est“ Seneca