Klinikalltag Pflege

Die Pflegevisite

Klinikflur mit altem, leeren Bett

Die Arztvisite ist uns ja allgemein bekannt, aber was ist nun die Pflegevisite?
Im den folgenden Abschnitten möchte ich auf diverse Aspekte der Pflegevisite eingehen:

Definition der Pflegevisite:

Regelmäßiger Besuch und Gespräch mit dem Patienten über seinen Pflegeprozeß. Die Pflegevisite dient der Benennung der Pflegeprobleme u. Ressourcen bzw. der Pflegediagnose, der Vereinbarung der Pflegeziele, Pflegeinterventionen und der Evaluation der Pflege.
aus: Pflege Lexikon, Georg/Frohwein, Ullstein Medical 1999

oder auch

Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit dem Patienten über den Pflegeprozess. Sie dient der gemeinsamen Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen bzw. der Pflegediagnosen, der Vereinbarung von gewünschten Pflegezielen, der Art, Menge und Häufigkeit der nötigen Pflegemaßnahmen und schließlich der Überprüfung der Angemessenheit und Wirksamkeit der Pflege.

(Heering, 2004)

Zielsetzung und Zielgruppe:

Die Zielsetzung der Pflegevisite sollte sein:

  • Durchführung der Pflegevisite mit/beim Pflegebedürftigen
  • Erörterung des Befinden des Pflegebedürftigen
  • Erfassung der individuellen Wünsche, der Zufriedenheit
  • Erstellung, Bearbeitung und Kontrolle der Pflegeprozessplanung und der -dokumentation
  • fachliche Überprüfung der Pflege durch Pflegefachkräfte
  • Beurteilung und Optimierung der Pflege

Zielgruppe der Pflegevisite sind die Menschen, die Pflege empfangen sprich pflegebedürftig sind.

Rahmenbedingungen – strukturelle Voraussetzungen:

Folgende Bedingungen müssen vor einer Pflegevisite geklärt und angepasst werden:

  • Räumliche Rahmenbedingungen
  • Zeitliche Rahmenbedingungen
  • Personelle Rahmenbedingungen

Teilnehmende Personen:

  • der Patient
  • Bezugsperson/Angehörige (stellen jedoch keinen Ersatz oder Stellvertreter für den Patienten dar – Mitsprache nur aus eigener Sicht)
  • Pflegekraft aus der direkten Bezugspflege (primary nurse)
  • Stationsleitung
  • ggf. eine weitere Pflegekraft
  • ggf. Pflegedienstleitung
  • ggf. Mitarbeiter aus anderen Berufsgruppen, falls es dort pflegerelevante Zusammmenhänge gibt
  • ggf. Auszubildende

Ablauf und Durchführung:

Gründe für die Durchführung einer Pflegevisite:

  • Kontrolle des Pflegeverlaufs
  • Veränderung des Pflegezustandes
  • Routinekontrolle im Rahmen der Qualitätssicherung
  • Beschwerde

1.) Vorbesprechung

  • Kurze Vorstellung des/der Pat.
  • Besprechung des Pflegeverlaufs anhand der Pflegedokumentation
  • Schwerpunkt der Pflegevisite auswählen

2.) Interaktion mit dem Patienten/Bezugsperson

  • Schwerpunkt als Gesprächseinstieg
  • Interaktion mit dem Patienten
  • Beratendes Gespräch über den Pflegeprozess
  • Ziele und Maßnahmen werden wenn möglich durch den die Pat.oder seine Bezugsperson mitgestaltet

3.) Nachbesprechung

  • Notwendige Maßnahmen werden eingeleitet
  • ggf. Festlegung eines Termins für eine weitere Pflegevisite

4.) Dokumentation und Überarbeitung des Pflegeplanes

  • Erstellen des Pflegevisitenprotokolls (EDV)
  • Vermerk im Pflegebericht (Durchführung)
  • ggf. Überarbeiten der Pflegeplanung

Hier folgt nun eine Auflistung an Themen, die im Rahmen einer Pflegevisite angesprochen werden könnten:

  • Wie ist das aktuelle Befinden des Patienten/Bewohners?
  • Wurden Pflegeziele erreicht/teilweise erreicht?
  • Sind neue Pflegeprobleme aufgetreten?
  • Welche Ressourcen sind vorhanden?
  • Welche Ziele sind erreichbar/realistisch?
  • Welche besonderen Wünsche hat der Patient/Bewohner?
  • Ist der Patient/Bewohner mit der Pflege zufrieden?
  • Stimmt die Pflegestufe noch?

Rehabilitative und/oder soziale Maßnahmen:

  • Krankengymnastik
  • Logopädie
  • Ergotherapie/Tagesbetreuung/Tagespflege
  • Häusliche Krankenpflege
  • Beratung zu Pflegehilfsmitteln
  • Heimunterbringung/Kurzzeitpflege
  • Anschlußheilbehandlung/Kur/Geriatrie
  • Psychologische Beratung/Betreuung

Spezielle Pflegesituationen

  • Liegt ein Dekubitus vor?
  • Liegen sonstige Wunden vor?
  • Wenn ja, hat sich der Status verbessert oder verschlechtert?
  • Ist die Wundversorgung angemessen?

Warum dient die Pflegevisite der Qualitätskontrolle?

Folgende Punkte umfassen u.a. die Pflegevisite und auf Grund dieser Punkte lässt sich die Qualität der Pflege sehr gut einschätzen und kontrollieren:

  • regelmäßiges Gespräch vor Ort mit KlientInnen und Pflegepersonal
  • auf Basis des Pflegeprozesses
  • Pflegevisiten erlaubt die Beurteilung und Optimierung der Qualität im Hinblick auf
    • Fachlichkeit
    • Angemessenheit
    • KlientInnenorientierung
    • Zufriedenheit

Vor- und Nachteile:

Vorteile:

  • Unterstützung und Präzisierung des Pflegeprozesses
  • verbesserte Informationsweitergabe
  • Einbeziehung von KlientInnen in den Pflegeprozess

Nachteile:

  • Umsetzung, z. B. im Ausmaß der zeitlichen/personellen Ressourcenbindung
  • Frage der Vertraulichkeit und Schweigepflicht (Mehrbettzimmer)

Quellen:

Foto von boliston unter einer Creative Commons Lizenz.

Über den Autor

Matthias

Medizinstudent, Papa, (ehemaliger) Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer großen Intensivstation sowie leidenschaftlicher Blogger und Jogger.

2 Kommentare

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  • Da muss ich mich allerdings wundern, ob es in diesem Land überhaupt eine Klinik geschweige denn ein Pflegeheim o.Ä. gibt, welche genügend zeitliche bzw. finanzielle Kapazitäten haben, um so etwas regelmäßig durchzuführen.
    Klingt nach schöner Utopie, nur so ganz kann ich mir das nicht vorstellen.

  • Es ist wirklich eine schöne Utopie.

    Leider werden die Pflegevisiten, die in den Kliniken und Heimen durchgeführt werden, eher dazu verwendet um das Personal zu kontrollieren, anstatt die Pflege und den Aufenthalt für den Patienten zu verbessern.