Pflege

Euphemismus statt Berufsalltag

Roland Brühe:

Oder die (oft beiläufigen) Gespräche über die persönliche Zukunft, wenn es wieder nach Hause geht und das Zurechtkommen in der Wohnung völlig zweifelhaft erscheint. Die im Krankenhaus diagnostizierte chronische Erkrankung, die einen Wandel des gewohnten Lebens erfordert. Das Gespräch mit den Eltern, die mit der zwar wiederbelebten aber unwiderruflich geistig beeinträchtigten Tochter leben müssen und wollen. Dies ist nicht in werbewirksamen Bildern auf Postkarten zu drucken. Derartige Situationen stellen aber die Realität dar. Und da denke ich immer wieder, inwieweit man Interessenten am Pflegeberuf nicht etwas vormacht, wenn man mit derartigen Bildern auf hübschen Postkarten für einen Beruf wirbt, der sich als wesentlich tiefgründiger, herausfordernder und mitnehmender als in der Werbewelt darstellt.

Ich glaube Pflege ist einfach nicht werbetauglich – wie soll man es auch schaffen, diesen multidimensionalen Beruf auf ein paar wenige Schlagwörter zu sterilisieren?

Und Werbung kann auch nur funktionieren, wenn das beworbene „Produkt“ auch attraktiv ist.

Dank politischer Desinteresse und prekären Arbeitsbedingungen sehe ich deutlichen Nachholbedarf bei der Attraktivitätssteigerung der Pflege. Wenn dort angesetzt wird, sehe ich vielleicht die Chance, dass auch Werbekampagnen für den Beruf als Pflegekraft erfolgreich sein können.

Über den Autor

Matthias

Medizinstudent, Papa, (ehemaliger) Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer großen Intensivstation sowie leidenschaftlicher Blogger und Jogger.

1 Kommentar

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  • Schon aus Prinzip bin ich gegen die Aussage, der Pflegeberuf sei eine Berufung oder so ähnlich….. :( Nein er muss keine Berufung sein…. ABER, wenn man sich auf diesen Beruf dann doch – aus was für Gründen auch immer – einlässt, dann sollte man mit Herz und Verstand!!! dabei sein (da spreche ich aus eigener Erfahrung)… Man trägt doch schließlich Verantwortung für MENSCHEN !! Ich bin auch der Meinung, dass man eine gewisse Stabilität in seinem Umfeld braucht, um dieser Belastung gewachsen zu sein… Denn auch jemand der am Fliesband arbeitet, kommt nach Hause und spricht über die Arbeit… Was soll da erst ein Pfleger machen, der täglich mit Leid, Ängsten, Tod und noch Etlichem sonst konfrontiert ist….. Vergesst das Postkartenformat – dieser Beruf braucht ein Plakat ______________